Wizo sind wieder da

Aus Open-Punk

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Wizo sind wieder da

Die deutsche Punkrocklegende aus Sindelfingen hat sich 2010 nach fünfjähriger Abwesenheit mit acht exklusiven Festivalkonzerten auf der Bühne zurückgemeldet. Als WIZO im Jahr 2005 nach einer Abschiedstour ihre Auflösung bekannt gaben, konnte niemand mehr damit rechnen, jemals wieder das legendäre Dreigespann auf der Bühne erleben zu dürfen. WIZO waren im Laufe ihrer fast zwanzigjährigen Karriere vor allem für ihre Kompromisslosigkeit bekannt. Doch noch etwas anderes gab es, wofür WIZO berüchtigt waren. Sie taten immer das worauf sie Bock hatten, ohne Regeln, Grenzen und Gesetze. Und als Ende letzten Jahres plötzlich die Meldung von WIZOs Wiederkehr über den Ticker ging, war klar, dass etwas Großes bevor stand! Und tatsächlich, WIZO sind wieder da mit einigen Ansagen: Sie kommen zurück um zu bleiben, haben einem neuen Mann am Bass, haben eine neue Platte im Anschlag und planen bereits eine ausgiebige Tour durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Kurz nach dem letzten Festivalkonzert, haben wir es geschafft, WIZO-Sänger Axel Kurth einige Fragen zu stellen. Axel stand uns Rede und Antwort und zeigte sich in bester Laune:


Inhaltsverzeichnis

Punk.de: Hallo Axel, nett, dass Du Zeit gefunden hast. Wie geht’s Dir und wie läuft es momentan so?

Hey, mir geht es dufte, vielen Dank. Es läuft hammermässig, die Festivals waren allesamt ein Riesenerfolg für uns. Wir haben diesen Sommer mal kurz vor über 120.000 Menschen unsere Musik gespielt, inklusiv einer ROCKPALAST-TV-Aufzeichnung und können uns vor Konzertangeboten kaum retten. Herz, was willst Du mehr? Wenn man bedenkt, dass wir vor einem Jahr überlegt haben, ob uns überhaupt noch jemand sehen will und ob diese ganze Wiederkehr-Kiste nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, dann können wir gar nicht laut genug sagen, wie happy wir sind! Wenn jetzt noch den Leuten unser neues Album nur halb so gut gefällt, wie uns selbst, dann wissen wir echt nicht, wo das noch alles hinführen soll, haha!


Punk.de: Wie ist das jetzt mit Eurer Reunion, Ihr tretet ja mit dem Anspruch an, nicht nur für ein paar dicke Konzerte wiederzukommen, sondern um wieder da zu sein. Was bedeutet das für Euch tatsächlich?

Also, ich hab ja schon angedeutet, wir haben es uns echt nicht leicht gemacht, mit der Entscheidung, WIZO wieder aus dem großen weißen Abschiedstour-Sarg zu holen. Wir waren uns sehr wohl bewusst, dass solche Reunionsnummern oft ganz schön stinken. Deshalb fiel die eigentliche Entscheidung, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, erst als für uns hundertprozentig klar war, dass wir als Band auch mit neuer Musik und neuem Inhalt an den Start gehen können. Wir haben über ein Jahr zusammen geprobt und fast zwei dutzend neue Stücke zusammen gemacht, bevor wir unsere Pressemitteilung herausgegeben haben. Dann begannen wir mit den Aufnahmen zur neuen Platte und buchten die ersten Festivals. Der Grund, warum wir wieder zusammen angefangen haben, Musik zu machen, ist uns eigentlich selbst gar nicht mehr so klar, haha. Es war wirklich so, dass ich irgendwann, am Ende einer langen, musikalischen Odyssee mit Thomas Guhl und meinem Kumpel Karachoo im kleinen, stinkenden Proberaum unserer Kumpels, den Rock’n’Roll Stormtroopers, gelandet bin und wir zusammen „Hey Thomas“ gespielt haben. Und so kitschig es klingt, da ist was abgegangen, was uns alle durchgeschüttelt hat! Wir haben uns dann weiter getroffen und uns wochenlang darüber die Köpfe zerbrochen, wie wir diese Band auf die Bühne bringen könnten und wie wir sie nennen sollen. Dass wir den Namen WIZO verwenden würden, war nach der dickbackigen Abschiedstour für uns erst mal ausgeschlossen, kein Scheiß. Erst mit der Zeit ist uns selbst klar geworden, dass wir eigentlich WIZO sind und dass es eh niemand verstehen würde, wenn es anders hieße. Klingt komisch, ging aber wirklich so bei uns ab. Vor allem die neuen Songs waren dann aber das, was uns bestätigt hat. Jede/r, der schon was davon hören durfte, hat sofort „klingt wie WIZO“ gebrüllt. Von daher wissen wir, dass es mehr als legitim ist, ganz davon abgesehen, dass wir sowizo mehr mit unseren eigenen Geistern der Vergangenheit zu kämpfen haben, als damit, was irgendwelche Szene-Aufsichtsräte dazu meinen. Wir haben soviel Bock, wie seit 15 Jahren nicht mehr und das werden wir die Welt wissen lassen, haha!


Punk.de: Okay, Du hast ja schon viel angedeutet, was geht mit Eurer neuen Platte, gibt es schon ein paar Details?

Nun, die Platte ist bereits zum größten Teil aufgenommen, allerdings haben wir uns ziemlich verschätzt, als wir angekündigt haben, das Album rechtzeitig zu den Konzerten rausbringen zu können. Es war schlicht und ergreifend so, dass wir von den Ereignissen rund um die Festivals, den Vorbereitungen und den Reaktionen auf die Meldung unserer Wiederkehr komplett überrannt worden sind. Deshalb können wir erst jetzt, nachdem die Festivals gespielt wurden, ins Studio und weiterarbeiten. Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis alles unter Dach und Fach ist und dann schauen wir, dass so schnell es geht veröffentlicht wird!


Punk.de: Das klingt ja vielversprechend. Was hat sich denn sonst so in den letzten Jahren bei Euch verändert, was ist neu an WIZO im Jahr 2010?

Na ganz klar erstmal unser neuer Mann, Thorsten „Karachoo“ Schwämmle am Bass. Durch ihn haben wir unglaublich viel neuen Schwung und einen neuen Freund bekommen, mal ganz davon abgesehen, dass er ein hervorragender Bassist und Sänger ist. Das hat uns unglaubliche neue musikalische Türen geöffnet und wird uns in der Zukunft bestimmt noch auf viele abgedrehte Sachen bringen, hehe. Dadurch ist vor allem eines neu an WIZO 2010, unsere wiedergewonnene Spielfreude und der tierische Spaß, den wir bei jeder Probe haben und an jedem Tag, den wir gemeinsam unterwegs sind. Das dürfte auf unseren Festivalgigs nicht zu übersehen gewesen sein und ist bestimmt auch einer der Gründe, weshalb unser „Comeback“ so durch die Bank weg von den Leuten abgefeiert wird. Einen weiteren Anteil hatte eine andere neuen Entscheidung: Der Entschluss auf die Konzerte einen vierten Mann zur Verstärkung mitzunehmen. Unser alter Freund RALF DIETEL, der live bei uns die zweite Gitarre spielt und auch noch ein super Sänger ist, war ein absoluter Glücksgriff. Wer uns auf der Bühne erlebt hat, hatte das Gefühl, wir würden schon 20 Jahre zusammenspielen und nicht erst die ersten paar Konzerte. Momentan versuchen wir, auch künftig Ralf dabeihaben zu können. Allerdings wohnt er in Los Angeles, wo er mit seiner Band KRASHKARMA fett am Start ist. Das bedeutet ein wenig mehr Planung und ein paar Flugtickets, allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, dass uns unsere geplanten Clubshows wohl eher in die größeren Venues führen werden, bei der Nachfrage im Moment! Deshalb ist es schon okay, wenn wir dafür ein wenig mehr Aufwand betreiben müssen. Wer uns bereits gesehen hat, oder sich die ROCKPALAST-Aufzeichnung anschauen kann, wird sehen, dass es sich dieser Aufwand absolut lohnt.


Punk.de: Wo steht Ihr mittlerweile politisch? Viele Menschen werden ja mit der Zeit „Altersmilde“ und lassen Ihre „radikale Phase“ irgendwann hinter sich, wie sieht das bei Euch aus?

Haha, ja, stimmt. Bei uns ist es so, dass wir, wie gesagt nicht mehr so zornig, kompromisslos und aggressiv sind wie früher und mittlerweile sogar Liebeslieder singen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass wir uns mit der Scheiße auf der Welt abgefunden hätten. Die Sachen, die uns früher angekotzt haben, kotzen uns selbstverständlich immer noch an, deshalb gibt es für uns auch noch genug Grund, die alten Songs weiter zu spielen. Allerdings setzen wir uns wesentlich differenzierter mit z.B. dem Thema Gewalt auseinander. Vieles von dem, was wir früher geschrieben haben, würden wir so nicht mehr ausdrücken. Thomas hat mittlerweile eine kleine Tochter und wir haben uns wirklich mal überlegt, was passiert, wenn die Kleine irgendwann kommt und uns fragt, was wir da eigentlich singen, haha! Allerdings stehen wir voll dazu, das es im Leben eines intelligenten, jungen Menschen einen Abschnitt gibt, an dem man besonders laut und radikal sein muss, um der Umwelt, den Lehrern und Eltern unmissverständlich klarzumachen, dass man nicht einverstanden ist, mit dem Lebensweg und der Position, den diese Anderen in dieser Gesellschaft für einen vorgesehen haben. Und auch wenn uns manchmal die Jüngeren mit dem ganzen Lärm, der Zerstörungswut und ihrer Radikalität selber auf unsere runzligen Eier gehen, wissen wir erstens, dass wir selbst mal so waren und zwotens sind sie uns immer noch wesentlich lieber, als wenn sie meinungslose Zockerzombies, oberflächliche Modeaffen oder am schlimmsten rechtslastige Vollprolls werden. Da sind wir übrigens bei einem Thema, bei dem wir immer noch keinen Spaß verstehen: WIZO stellt sich nach wie vor vehement gegen jede Form von rechter, rassistischer oder faschistischer Gesinnung. Wir haben keinen Bock auf PatrIdioten, stolze Deutsche oder selbst ernannte Herrenmenschen. Wir sind ultraempfindlich bei Antisemitismus, Homophobie, Chauvinismus und so was wie Kreationisten oder anderen religiösen Vollidioten. Kirchen gehen uns auf den Sack, kommerzielle Politiker und Castingshows sowizo. Also eigentlich alles beim Alten, haha. Ach, wir haben übrigens auch keinen Furz an Verständnis für Bands aus der alternativen Rock-, Punk- oder Hardcoreszene, die zu doof sind, sich klar politisch zu positionieren, so Bullshit wie „unpolitisch“ von sich geben oder gar tolerieren, dass rechte Vollpfosten auf Ihren Shows rumhängen. Nicht mit uns, wir haben keinen Bock auf Grauzone, weg damit!

== Punk.de: Axel, von Dir weiß man ja, dass Du schon immer eine besonders außergewöhnlichen musikalischen Humor kultiviert hast. Auf Deinem Mist wuchsen in der Vergangenheit bereits die merkwürdigsten Dinge, von Angelo Kelly auf der „Anderster“, über die legendäre Fake-Deutschpunk-Band „W.T.Z“. bis hin zu bizarren Coverversionen von Ost-Schlagern. Nun hast Du vor einiger Zeit auf Deinem Newsletter erklärt, Songs an einen fiesen Klingelton-Konzern verkauft zu haben. Ist das ein besonderer Auswuchs Deines kruden Spaßverständnisses, eine logische Konsequenz zum Geldverdienen oder warst Du da einfach von allen guten Geistern verlassen? ==

Haha, das war definitiv mein Spaßverständnis und ein Scheißjob zum Geldverdienen. Und ich hatte danach voll Bock den ganzen Punkrockspießern etwas vor die Füße zu schmeißen, an dem sie sich aufreiben können und vielleicht Ihre eigene Doppelmoral preisgeben. Das hat auch soweit spitze hingehauen, haha! Die meisten, die sich über den Klingeltonshit tierisch aufregen und mir Vorträge über Punk halten wollen, stecken bis zum Bauchnabel im Arsch von irgendwelchen Firmen oder Konzernen, bei denen sie tagsüber arbeiten um, meiner Ansicht nach übrigens ganz legitimerweise, ihr scheiß Leben bezahlen zu können. Um es ein für alle Mal klarzustellen: Ich habe weder für einen Klingelton-Anbieter gearbeitet, war dort nicht angestellt und habe auch keine Schnuffelviecher erfunden. Ich habe lediglich vier Songs verkauft und dafür insgesamt etwa eine Monatsmiete an Kohle bekommen. Das ganze fand ich ultra witzig, weil es so etwas Bescheuertes ist. Viele Punkrock-Musiker, die ich kenne, reden immer davon, mal einen großen Schlager- oder Volksmusik-Schwindel zu starten, solche Musik „nur zum Gag“ zu machen um damit fett Kohle abzusacken und keiner hat es je hinbekommen. Nun gut, das mit der fetten Kohle hat bei mir leider auch nicht hingehauen, haha, aber immerhin. Eine kleine Info noch für alle, die rumheulen, ich hätte mit Klingeltönen die Kohle von lauter unschuldigen Kindern abgesaugt: Erstens sind die Kids nicht so blöd, wie Ihr gerne denkt und zweitens ist die Hauptgruppe der Käufer lustiger Klingeltöne Frauen zwischen 25 und 45 Jahren! Hmmm!


Punk.de: Warum spielst Du eigentlich mit WIZO immer noch Punkrock, wenn Du Dich mit Deinen Fähigkeiten doch in so vielen musikalischen Stilen so sicher bewegen kannst? Viele ehemalige Punk-Musiker wenden sich angestrengt ab und versuchen erwachsenere Musik zu machen, wie ist das bei Euch?

Ich bin seit über zwanzig Jahren Profimusiker und mache beruflich immer das, worauf ich Bock habe. Ich habe keinerlei stilistischen Berührungsängste und finde alles spannend, was keine faschistischen Inhalte oder andere bedenkliche Scheiße transportiert, egal ob Filmmusik, TV-Werbung oder Musik für andere Künstler. Im Laufe der Zeit habe ich für Kohle schon einen Haufen anderer Sachen gemacht, die dem Punkrockspießer nicht schmecken dürften. Allerdings gebe ich normalerweise nie dafür meinen Namen her. Mein Name steht aber unter WIZO, weil das die Musik meines Bauches, meine Kopfes und vor allem meines Herzens ist. Andere Musik macht mir Spaß, aber Punkrock ist das einzige geeignete Mittel um meine Persönlichkeit, meine Einstellung, mein Lebensgefühl und meine Leidenschaft auszudrücken. Das ist so, seit ich angefangen habe mit Musik, andere Musik wird diese Energie nie für mich haben können! Wenn ich WIZO-Songs spiele, bin ich 100% echt und ganz ich selbst, mehr Axel Kurth geht nicht, haha.


Punk.de: Klasse, vielen Dank Axel, für dieses ausführliche und offenherzige Interview. == Die Spannung auf das neue WIZO-Album steigt und alle, die keine Gelegenheit hatten, die Legende aus dem Ländle live auf den Festivals des vergangenen Sommers zu sehen, können sich auf die angekündigte Clubtour zur neuen Platte freuen. Bleibt noch, auf die geplante erste TV-Ausstrahlung des WIZO-Konzerts auf dem AREA4-Festival im Rahmen des ROCKPALASTES hinzuweisen: geplanter Sendetermin von Sonntag auf Montag, den 18.Oktober 2010, zwischen 00:15 – 02:45 Uhr auf WDR3. Wer’ s verpasst, kann sich ab diesem Tag den Stream auf rockpalast.de anschauen. Alle Infos rund um WIZO gibt’ s auf der wizo.de und dem WIZO-Newsletter, den Ihr dort abonnieren könnt.

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