Philosophie des DeutschPunks 1/6

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[Bearbeiten] Philosophie des DeutschPunks

1 Punk für Anfänger „Jeder kann Punks sein Vom Büroarbeiter über den Müllmann bis hin zum Schüler Schon am Tag deiner Geburt kannst du ein Punk sein Es ist eine (Geistes-)Haltung, die man hat oder nicht Punk ist nicht nur verkleidet zu sein, oder Leute zu schockieren Es bedeutet auch Spass zu haben“1 11Das wichtigste in Kürze oder warum jedes Kapitel mit einem Musiktext beginnt Denn der mit Sicherheit zentralste und wichtigste Aspekt an der Punk-Bewegung ist die Musik

„[] der Punk-Rock das wichtigste Element des gesamten Phänomens Punk []“ 2

Konzerte und Festivals sind die zentralen Treffpunkte der Punks Da über die Musik auch zahlreiche Inhalte transportiert werden, bieten die Texte der Bands ein reales Abbild der aktuellen Denkweisen der PunkSzene Die Musik war seit ihrer Anfangszeit der Ausgangspunkt für alle szeneinternen Entwicklungen Die Texte der Songs sind meist gesellschaftskritisch, zynisch, aggressiv und „von beeindruckender Schärfe und Treffsicherheit“3 Die Texte sollen die Zuhörer zum Nachdenken anregen

Die Texte der frühen Punkbands waren geprägt von Negation, Provokation und Auflehnung Die Sex Pistols legten mit Slogans wie „No Future“ den Grundstein für die ersten Punkbands, die mit ihren Texten schocken wollten und so auf die Missstände aufmerksam machen, mit denen sich die Jugend in Großbritannien konfrontiert sah Während die Massenmedien in England beinahe täglich neue Schreckensmeldungen und Endzeitvisionen verbreiteten, griffen die Punkcombos den daraus resultierenden Zeitgeist auf und reproduzierten ihn in ihren Texten Die Punk-Szene begriff sich schon früh als Gegenpol zur Gesamtgesellschaft, zu den Reichen und Mächtigen und vielen etablierten Institutionen und behandelte dieses Bewusstsein in ihren Liedern „So nimmt in den Texten die Ablehnung kollektiv verpflichtender und sinnstiftender Gebilde, wie z B das der Religion, einen breiten Raum ein“4 Zu Beginn der 1980er Jahre wurde nun auch linkspolitische Themen in den Texten verarbeitet, Aufrufe zum Klassenkampf, Solidarität mit der Hausbesetzer-Szene oder internationalen Revolutionsgruppen In den USA manifestierte sich der politische Aspekt auch durch die Hardcore- und DIY-Szene, die in diesen Jahren entstand

In Deutschland (DDR und BRD) wurde in jenen Jahren ein eigener Stil etabliert, der klassische Deutschpunk, mit fast ausschließlich politischen, kämpferischen oder systemkritischen Texten, die vielfach eine Endzeitstimmung verbreiteten, die den Nerv einer von einem geteilten Land und dem Kalten Krieg beeinflussten Generation traf Punk in Deutschland erhielt in diesen Jahren seinen politischen Anspruch u a Auch aus den Überschneidungen mit der Hausbesetzer-Szene, die in diesen Jahren vor allem in Hamburg und Westberlin entstanden Und auch in anderen deutsche Großstädten trafen sich die Punks nun an zentralen öffentlichen Plätzen, wo sie mit ihrem Aussehen provozierten und polarisierten Der Höhepunkt der urbanen Konfrontation waren die Chaostage 1984 und 1995 sowie das Punkverbot in Karlsruhe5 Die Bands, die die Szene in diesen Jahren am meisten beeinflussten waren Slime, Toxoplasma, Daily Terror, Razzia, Canal Terror und Normahl Die Bands waren allesamt dem linken Spektrum zuzuordnen und ihre Aussagen dementsprechend kritisch geprägt

Aus dieser, während der 1980er Jahre innerhalb der Szene in Deutschland recht populären Strömung, ging später auch der Funpunk hervor Bands wie Abstürzende Brieftauben, Schließmuskel, Frohlix, Die Goldenen Zitronen oder Die Mimmis lassen sich dieser Kategorie zuordnen Aber die wohl bekanntesten Vertreter dieses Genres sind „DIE TOTEN HOSEN“ und „DIE ÄRZTE“, die ihren Weg von einer kleinen Punkband Anfang der 80er zu einer kommerziell erfolgreichen Rockband in den 90ern konsequent fortsetzten Die beiden bis heute populärsten deutschen Punkbands stellten sich beide zum Zeitpunkt ihres kommerziellen Durchbruchs in den 90ern deutlich gegen rechtsextreme Tendenzen Zwar blieb auch ihnen auf ihren Erfolg hin der Vorwurf des Ausverkaufs nicht erspart, doch wurde diese klar linke Positionierung innerhalb der Punkszene sehr positiv aufgenommen Nicht zuletzt deshalb sind sowohl „DIE TOTEN HOSEN“, als auch „DIE ÄRZTE“ in der deutschen Punkszene nach wie vor salonfähig

Wenngleich die Musik, der Punkrock, einen immens hohen Stellenwert in der Szene hat und sich vieles auf ihn und um ihn herum konzentriert und entwickelt, so sollten die anderen Formen, in denen Punk sich künstlerisch Ausdruck verleiht, nicht vergessen werden Vor allem auch das Phänomen des Fanzines6, prägte die Szene


12Ursprung „Die Punkbewegung entstand 1976/77 in den westlichen Industriestaaten (zB England und USA) Die Hauptbewegung kam aber aus London Die Gründe für die Entstehung waren die Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit der Jugendlichen Die Jugendlichen die sich der Punkbewegung anschlossen wollten sich von der existierenden Gesellschaft ausgrenzen Sie wollten sich nicht Anpassen und lehnten die vorhandenen Gesellschaftsformen ,-strukturen und -normen ab Sie glaubten nicht an Idole und Führer Jeder Punk wollte individuell erscheinen Die Punks provozierten hauptsächlich durch Aussehen/Kleidungsstil und öffentliches Auftreten Sie färbten sich die Haare, machten sich auffällige Frisuren (wie zB die vom gleichnamigen, nordamerikanischen Indianerstamm stammende Irokesenfrisur), beschrieben und zerschnitten ihre Kleidung, trugen Gürtel, Armbänder und Halsbänder mit Nieten und Nägeln und machten sich überall Piercings und Tattoos Selbst offen getragene Hakenkreuze waren in der damaligen Punkszene ein anerkanntes Zeichen“7

In London machten ab 1976 die Sex Pistols von sich reden Die Band, die Punk als Subkultur und Stil zu dem machte, was seither darunter verstanden wird, wurden von Malcolm McLaren und Vivienne Westwood, der „Queen of Punk“, gemanagt und gefördert wurden Mit ungeschliffenem und aggressivem Punkrock, bissigen bis nihilistischen Texten wie „Anarchy in the UK“ oder „God save the Queen“, sowie ihrem provokativen Stil schlug die Band im damals konservativ regierten England ein wie eine Bombe England war in dieser Zeit geprägt von schweren sozialen Problemen, hoher Arbeitslosigkeit und schlechten Zukunftsperspektiven insbesondere für Jugendliche Punk in Großbritannien war letztlich eine Bewegung von unterprivilegierten, weißen Jugendlichen der Arbeiterklasse Vielen von ihnen ging ihre soziale Situation sehr nahe, und sie benutzten das Medium des Punk, um ihre Unzufriedenheit auszudrücken Auch wenn die Sex Pistols oft als Pioniere des Punks bezeichnet werden ist dies nicht die ganze Wahrheit, denn zeitgleich kamen The Ramones und Patti Smith in den USA auf The Ramones waren die erste New-Yorker Punk-Band, die musikalisch den Durchbruch schaffte (Nur PunkMusiker; alle inzwischen tot), während Patti Smith (Punkkünstlerin: Punkmusikerin, Singer-Songwriterin, Fotografin, Malerin und Lyrikerin; lebt noch) oft als „Godmother of Punk“8 bezeichnet wird 13Was ist Punk Punk zu definieren fällt schwer Ich möchte fast behaupten, Punk einem Nichtpunk zu vermitteln ist ähnlich wie einem Abstinenten das Gefühl des Berauschseuns Nichtschwimmer das Gefühl des Schwimmens zu beschreiben Es fehlen einem die Worte, es fehlen einem die Definitionen Einen ersten Erklärungsversuch liefern diese Standardantworten: „Punk ist was du daraus machst“ „Es ist eine (Geistes-)Haltung (Philosophie), die man hat oder nicht“ Punk definiert sich von innen, die Szene entscheidet was Punk ist und was nicht Gerade in den Randbereichen führt das aber zu erheblichen Unschärfen Aus diesem Grund möchte ich zumindest versuchen einen Teilaspekt dieser Frage, nämlich die Philosophie des Deutschpunks und sein Wandel oder eben iIchtWandel im Laufe seines 40jährigen Bestehens im Rahmen einer Dissertation annähernd zu beantworten

Wen obigen Antworten nicht befriedigen, dem dem gebe ich hier eine Auszug aus Wikipedia, was Punk angeblich sein soll, zur Hand: „Der Punk stellt sich gegen alle Konventionen, gegen die Konsumgesellschaft und gegen das Bürgertum sowie gegen rechte Weltanschauungen Und obwohl sich die meisten Punks mehr oder weniger links sehen, stellt er sich genauso gegen die politische Linke mit ihrem Etatismus Dahinter steckt eine respektlose, resignierte bis aggressive Haltung gegenüber der Gesellschaft, eine Art rebellischer Nihilismus, und die Betonung der Freiheit des Individuums und des Nonkonformismus Der Punk bringt sich vor allem durch Musik zum Ausdruck, ferner durch Kleidung, Frisuren und vom Do-it-yourself-Gedanken geprägter Grafik (Collagen, Xerographien und Comic-Zeichnungen) Der Punk betont das Hässliche und will provozieren; so stellen viele Fanzine- und Schallplattencover deutlich soziale Ungerechtigkeiten, wirtschaftliche Ungleichheit und Leid, Selbstsucht, Apathie, dystopische Visionen und andere Bilder, die die Ablehnung des Betrachters provozieren sollen, dar Typischerweise drückt Punk eine gleichgültige Haltung gegenüber sich selbst aus; so erklärt sich auch die ungesunde Lebensweise vieler Punks Es gibt aber auch andere Tendenzen in der Punk-Szene, bis hin zur Veganer- und Straight-Edge-Bewegung Einige der frühen Punk-Musiker studierten an Kunsthochschulen und kannten ältere radikale Avantgarde-Konzepte Andere waren aus kleinen Verhältnissen stammende Arbeitslose oder Arbeitsverweigerer, die alles zurückwiesen, was es an Kultur und Sinnstiftung zuvor gegeben hatte Mit ihrem provozierenden Auftreten stießen die Punks in der Gesellschaft auf Unverständnis, Ablehnung und sogar Hass Andererseits wurde Punk aber auch zu einer Art Popkultur Dieser Widerspruch ist bis heute kaum befriedigend erklärt Nach Auffassung von Greil Marcus ist Punk untrennbar verknüpft mit dem Situationismus der 1960er Jahre Auch Malcolm McLaren, Mentor der Sex Pistols und damit einer der Protagonisten des frühen Punk, wollte dies gerne als den Ausgangspunkt der Bewegung ausgeben Aber der Situationismus ist gefärbt durch politische Ziele des Sozialismus und Anarchismus Der Punk hingegen hat keine einheitlichen politischen oder sonstigen Ziele Dass zwischen dem Situationismus und dem Punk kaum eine Verbindung besteht, belegen auch zwei Werke, die als zuverlässige Quellen für die frühe Punk-Bewegung Londons gelten, weil sie aus dem persönlichen Umfeld der Protagonisten stammen: das Buch „Sex Pistols – The Inside Story“ von Fred und Judy Vermorel und die Autobiographie No Irish, No Blacks, No Dogs von Johnny Rotten, dem Frontmann der Sex Pistols

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